Haben Ihre Helferinnen innerlich schon gekündigt?


Warum sich ein guter Führungsstil in barer Münze auszahlt

BERLIN (BIERMANN) – Jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt und legt am Arbeitsplatz Verhaltensweisen an den Tag, die der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens schaden. Dieses erschreckende Ergebnis des Gallup Engagement Index 2010 stellte das Beratungsunternehmen Anfang Februar 2011 in Berlin vor.

Der Umfrage zufolge verfügen lediglich 13 Prozent der Beschäftigten über eine hohe emotionale Bindung und sind bereit, sich freiwillig für ihren Arbeitgeber und dessen Ziele einzusetzen. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer (66 Prozent) weist lediglich eine geringe emotionale Bindung auf – und leistet nur Dienst nach Vorschrift.

„Durch die daraus resultierenden Produktivitätseinbußen entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden zwischen 121,8 und 125,7 Milliarden Euro“, warnt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup.
 
Die fehlende Mitarbeitermotivation bekommen die Unternehmen zu spüren: Denn emotional ungebundene Beschäftigte weisen 27,8 Prozent höhere Fehlzeiten auf als ihre emotional gebundenen Kollegen. Durch die zusätzlichen Fehltage entstehen in den Unternehmen Kosten von jährlich 3,7 Milliarden Euro.

Für Nink ist die emotionale Mitarbeiterbindung daher ein strategischer Wettbewerbsfaktor: „Je höher die Bindung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mitarbeiter im Sinne seines Arbeitgebers verhält. Und je größer die Anzahl der emotional gebundenen Personen, desto leistungsfähiger ist das Unternehmen.“

„Emotional hoch gebundene Beschäftigte tendieren außerdem dazu, seltener ihren Arbeitsgeber zu wechseln“, so Nink weiter. Verheerend ist die Situation bei den emotional ungebundenen Mitarbeitern: 59 Prozent schließen nicht aus, dass sie ihrem Arbeitgeber in den nächsten zwölf Monaten den Rücken kehren – bei den emotional hoch gebundenen Mitarbeitern sind es nur sieben Prozent.

„Fluktuation verursacht enorme Kosten, unter anderem durch den Know-how-Verlust, die Wiederbesetzung von Stellen und Einarbeitungszeiten“, unterstreicht der Berater. „Daher zahlen sich Investitionen in die emotionale Mitarbeiterbindung aus: Bereits geringe Verbesserungen ermöglichen hohe Einsparungen.“

Auch auf die Innovationskraft wirkt sich das Engagement der Mitarbeiter aus. „Es geht nicht darum, dass Mitarbeiter jeden Tag bahnbrechende Innovationen einbringen“, stellt Nink klar. „Wichtig für Unternehmen sind die vermeintlich kleinen Ideen der Beschäftigten, wie etwa zur Optimierung von Arbeitsabläufen und Prozessen.“

Die Studie beweist: Emotional gebundene Mitarbeiter haben im letzten halben Jahr 40,5 Prozent mehr Anregungen für Verbesserungen eingebracht als ihre ungebundenen Kollegen. „Erschreckend ist, dass fast jeder Dritte emotional ungebundene Arbeitnehmer in den vergangenen sechs Monaten keine einzige eigene Idee ins Unternehmen getragen hat“, verdeutlicht der Consultant.
 
Der Grund hierfür liegt häufig bei den Führungskräften: Nur acht Prozent der emotional nicht gebundenen Mitarbeiter mochten der Aussage uneingeschränkt zustimmen, dass ihr Chef für neue Ideen und Vorschläge offen ist.

In der Gruppe der emotional hoch Gebundenen stimmten hingegen 73 Prozent ohne Wenn und Aber zu. „Wer mit seinen Ideen regelmäßig auf taube Ohren stößt, resigniert irgendwann, zieht sich zurück und bringt sich nicht mehr ein“, erklärt Nink.

Der Aussage „Bei der Arbeit scheinen meine Meinungen zu zählen“ stimmten nur zwei Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung uneingeschränkt zu. Bei den emotional hoch gebundenen Arbeitnehmern lag dieser Wert bei 71 Prozent.

„Vor dem Hintergrund der Geschlechterdebatte konnten wir so gut wie keinen Unterschied in der Führungsqualität von männlichen und weiblichen Vorgesetzten nachweisen. Allerdings punkten Frauen mit ihrer Kommunikationsstärke. Sie können ihre Erwartungen an die Mitarbeiter deutlicher zum Ausdruck bringen und erkennen gute Leistungen häufiger an“, fasst Nink zusammen.

Er rät Unternehmen, den geringen Anteil emotional hoch gebundener Beschäftigter in der Belegschaft ernst zu nehmen: „Diese Mitarbeiter arbeiten produktiver, sind innovativer und kundenorientierter.“ Ziel der Unternehmen müsse es daher sein, den Anteil emotional hoch gebundener Mitarbeiter zu erhöhen. Wichtigster Ansatzpunkt sind die Führungskräfte. „Sie müssen sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst werden und ihren Führungsstil am Menschen orientieren, um den Erwartungen und Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden“, erläutert der Consultant. „Dann ist der Grad der emotionalen Bindung veränderbar – unabhängig vom Ausgangsniveau.“

Quelle: Gallup

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