Steuerpotenziale in der Familie nutzen

Worauf der Familienclan bei Darlehens-, Miet- und Arbeitsverträgen achten sollte

EUSKIRCHEN (Biermann) – Vereinbarungen im Familienkreis sind praktisch, man kennt sich und vertraut einander. Vieles lässt sich vermeintlich unbürokratisch regeln. Genau hier liegt die Crux: Je näher sich die Vertragspartner stehen, desto dünner sind oft die Vertragspapiere. Das weiß auch das Finanzamt und schaut bei Angehörigenverträgen besonders genau hin. Oft wird unterstellt, dass das Vertragsverhältnis nur auf dem Papier besteht und die Verträge allein wegen der Steuerersparnis abgeschlossen wurden. Verträge im Familienkreis sind deshalb besonders sorgfältig zu planen und ernsthaft umzusetzen, um Vorbehalte der Finanzbehörden von vornherein zu vermeiden.

Verträge wie unter Fremden

Angehörige sind hierzulande in der Vertragsgestaltung untereinander grundsätzlich frei. Dabei ist auch Steuern sparen erlaubt. Doch gerade für Darlehens-, Miet- und Arbeitsverträge im Familienkreis sind vielfältige steuerrechtliche Bedingungen zu beachten. Andernfalls erkennen die Finanzbehörden die Vereinbarungen nicht an. Oberste Prinzipien bei Angehörigenverträgen sind die Ernsthaftigkeit und Fremdüblichkeit. Nur wenn es dem Finanzamt plausibel erscheint, dass der Vertrag in dieser Form auch unter fremden Dritten zustande gekommen wäre, steht den steuerlichen Vorteilen nichts im Weg.

Die Finanzbehörden haben genaue Vorgaben, wie Angehörigenverträge zu bewerten sind. Steuerzahler sollten stets die aktuelle Rechtsprechung im Blick behalten, um sie bei neuen Verträgen einzuhalten und alte Vereinbarungen gegebenenfalls zu ergänzen. Wer Verträge im Familienkreis plant, sollte immer vorab fachlichen Rat einholen, um alle Stolperfallen zu umgehen. Andernfalls passieren schnell Fehler, die alle Steuervorteile zunichtemachen (siehe ganz unten „Typische Fehler vermeiden“).

Darlehen unter Verwandten

Finanzspritzen sind im Familienkreis keine Seltenheit. Profitieren kann sowohl der Geldgeber als auch der Darlehensnehmer. Beispiel: Der Vater stellt seinem Sohn 25.000 Euro für eine Unternehmensgründung zur Verfügung. Der Junior kommt schnell und unkompliziert an finanzielle Mittel, der Senior erhält womöglich für sein Erspartes mehr Zinsen als bei einem Festgeldkonto.

Familieninterne Darlehen bieten auch steuerliche Vorteile. Normalerweise wertet das Finanzamt hohe Geldsummen, die zwischen Verwandten fließen, als Schenkung. Konsequenz: Schnell werden die persönlichen Freibeträge überschritten und es fällt Schenkungsteuer an. Durch eine vertraglich geregelte Finanzierung können Familien ungewollte Schenkungsteuer vermeiden. Denn rechtlich gesehen verbleiben die Ansprüche in der Vermögenssphäre des Geldgebers. Allerdings sollten beide Parteien die Besonderheiten der Ertragsbesteuerung von Darlehen an Angehörige berücksichtigen. Zinseinnahmen aus Verwandtendarlehen unterliegen nicht der günstigen Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent. Der Darlehensgeber muss die Zinserträge mit dem normalen persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Dafür kann der Darlehensnehmer meistens die Zinsen steuerlich absetzen. Hier ist im Einzelfall genau zu prüfen, ob sich das Darlehen für beide Vertragspartner lohnt.

Verwandtendarlehen müssen grundsätzlich im Fremdvergleich bestehen. Konkret heißt das: Laufzeit, Art und Zeitraum der Rückzahlung, Zinsen sowie Besicherung des Darlehens müssen marktüblichen Konditionen entsprechen (BMF-Schreiben, IV C6 – S 2144/07/10004). Im Kern geht es um die Ernsthaftigkeit des vertraglichen Bindungswillens zwischen den Angehörigen. Eine ausreichende Besicherung ist ohnehin Pflicht. Andernfalls sehen die Finanzbehörden den Fremdvergleich unter Umständen schon verletzt.

Formalitäten geraten bei Darlehen unter Angehörigen schnell aus dem Blick. Oberflächlich ausgestaltete Verträge sind nicht per se unwirksam, gefährden aber die steuerliche Anerkennung des Darlehens. Die Finanzbehörden stellen oftmals den vertraglichen Bindungswillen in Frage. Sie werden dann besonders darauf achten, ob die Vereinbarungen auch tatsächlich eingehalten wurden. Dazu gehört auch die tatsächliche Abwicklung zum Beispiel durch regelmäßige und nachweisbare Zins- und Tilgungszahlungen.

Vorsicht ist geboten, wenn man seine minderjährigen Kinder an Darlehensverträgen beteiligt, dann kann die Genehmigung des Familiengerichts erforderlich werden, sonst ist der Vertrag womöglich unwirksam.

Vermietung an Angehörige

Die verbilligte Immobilienvermietung im Familienkreis ist ein beliebtes Steuersparmodell. Vermietet ein Immobilienbesitzer eine Wohnung preiswert an seine Eltern, seine Kinder oder andere nahe Angehörige, haben beide Seiten etwas davon: Die Verwandtschaft zahlt weniger Miete als ortsüblich und der Vermieter kann die Kosten etwa für Instandhaltung oder Reparaturen als Werbungskosten geltend machen. Dies wäre bei der Eigennutzung der Immobilien allenfalls eingeschränkt als haushaltsnahe Dienstleistungen möglich.

Der Fiskus setzt der Miethöhe zwischen Angehörigen jedoch klare Grenzen. Beträgt das Mietentgelt weniger als 66 Prozent der ortsüblichen Monatsmiete, erkennt das Finanzamt die Immobilienaufwendungen nicht mehr in voller Höhe als Werbungskosten an. Von allzu großzügigen Rabatten sollten Vermieter also besser Abstand nehmen. Sonst muss die Vermietung in einen entgeltlichen und unentgeltlichen Teil gesplittet werden, anfallende Werbungskosten sind dann nur noch im Verhältnis des entgeltlichen Teils zur ortsüblichen Miete steuerlich abzugsfähig. Insbesondere bei sehr hohen Werbungskosten sollte geprüft werden, ob sich eine Vermietung unter 66 Prozent der ortsüblichen Miete rechnet. Denn liegt die Miete auch nur geringfügig über der 66-Prozent-Grenze, sind die abzugsfähigen Hauskosten voll steuerwirksam. Die ortsübliche Miete lässt sich einfach über den offiziellen Mietspiegel ermitteln, der meist über den Bürgerservice von Städten und Gemeinden erhältlich.

Wer Mietverträge im Familienkreis schließt, sollte also besonders gründlich vorgehen. Die Finanzbehörden achten vor allem auf eine nachvollziehbare Vertragsgestaltung. Dazu zählt laut Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH, Az. NV IX B 50/4) auch die Klarstellung, ob es sich um eine Warm- oder Kaltmiete handelt. Die Hauptpflichten der Vertragspartner müssen im Mietvertrag wie unter Fremden üblich definiert und dann auch durchgeführt werden. Alle Abrechnungen und Zahlungen sollten vertragsgerecht abgewickelt und belegt werden können. Es empfiehlt sich zudem, dass alle Beteiligten ihre Zahlungen nachweisbar über ein eigenes Konto abwickeln.

Arbeitsverträge im Familienkreis

Zusammen leben und arbeiten: Was früher in vielen mittelständischen Unternehmen gängige Praxis war, ist auch heute noch eine interessantes Modell. Besonders beliebt sind Ehegattenarbeitsverhältnisse. Oft arbeitet der Ehepartner im Betrieb sowieso schon tatkräftig mit, ohne dafür einen vertraglich geregelten Lohn zu erhalten. Die Eheleute führen meist ein gemeinsames Konto, über das sie gleichberechtigt verfügen können. Eine Lohnzahlung erscheint ihnen vielfach überflüssig.

Ein Gemeinschaftskonto spielt unter Umständen dem Fiskus in die Karten. Schnell werten die Finanzbeamten laufende Zahlungen als wechselseitige Schenkungen. Denn zahlt etwa der verdienende Ehemann Geld auf das gemeinsame Konto ein, unterstellt die Finanzverwaltung die hälftige Schenkung an die Ehefrau als Kontomitinhaberin. Je nach Einkommen sind auch die hohen Freibeträge von Ehegatten bei der Schenkungsteuer ausgeschöpft.

Arbeitet der Ehepartner im Betrieb mit, sollte grundsätzlich ein Arbeitsvertrag geschlossen werden. So steht das Arbeitsverhältnis auf sicherem Boden und wird obendrein steuerlich nutzbar. Finanzamtsicher sind Arbeitsverträge, wenn sie das Aufgabenprofil, die Arbeitszeiten und das Entgelt genau bezeichnen. Auch Leistungen wie Überstundenvergütungen, Weihnachts- oder Urlaubsgeld sind vertraglich zu erfassen. Oft reicht bereits eine Klausel, die auf einen bestehenden Tarifvertrag verweist.

Arbeitsverträge mit dem Partner zahlen sich finanziell vor allem dann aus, wenn der mitarbeitende Ehepartner sozialversichert werden soll. Im Arbeitsverhältnis erhält der Partner durch Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung eine eigenständige Altersversorgung. Auch der betriebliche Unfallschutz durch die Berufsgenossenschaft ist für Arbeitnehmerehegatten von Vorteil. Die steuerlichen Vorteile sind geringer geworden. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren durch die Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer das Gewerbesteuersparen ausgebremst. Arbeitnehmer-Ehegatten bleibt noch die steuerlich nutzbare Werbungskostenpauschale, wenn tatsächlich keine oder nur geringe Werbungskosten beim Partner anfallen.

Arbeitsverträge unter Angehörigen prüft das Finanzamt sehr genau. Schnell werden Finanzbeamte etwa bei einem unverhältnismäßig hohen Lohn stutzig und verweigern die steuerliche Anerkennung. Deshalb: Die Lohnhöhe sollte marktgerecht sein und den Betrag nicht übersteigen, den ein fremder Arbeitnehmer für ein gleichartige Tätigkeit erhalten würde. Das Finanzamt pocht auch auf eine regelmäßige Auszahlung des Lohnes. Laut Bundesfinanzhof (BFH, Az. XI R 30 31/89) reicht es nicht aus, nur die Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß abzuführen. Obendrein darf der Ehepartner den monatlichen Lohn nicht einfach vom Geschäftskonto abheben. Die Lohnzahlung an den Partner sollte unbedingt auf ein eigenes privates Konto des Ehepartners erfolgen, damit alle Lohnüberweisungen für das Finanzamt nachvollziehbar sind.

Fazit

Angehörigenverträge sind eine interessante, aber auch nicht ganz einfache Option. Fachlicher Rat bewahrt vor bösen Überraschungen. So lassen sich rechtliche Fallstricke umgehen und finanzamtsichere Vereinbarungen treffen, auch weil der Gesetzgeber gerne geltende Regelungen für die Zukunft ändert oder sogar abschafft. Obendrein bleibt der Familienfrieden gewahrt: Denn klare Bedingungen verhindern Missverständnisse und schaffen echte Win-Win-Situationen unter Angehörigen.

Autor: Thomas Nöthen, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Kanzlei DHPG in Euskirchen

Typische Fehler vermeiden


Der Fiskus schaut bei Angehörigenverträgen besonders genau hin. Sie müssen so abgeschlossen werden, wie es unter fremden Dritten üblich ist.

1. Nicht formgerecht: Verwandte verlassen sich untereinander oft auf das Wort des Anderen. Nicht immer werden Verträge schriftlich fixiert und sorgsam ausgestaltet. Besser: Alle Absprachen schriftlich dokumentieren und gegebenenfalls zudem beurkunden lassen. Mündliche Verträge erkennt das Finanzamt selten an.

2. Nicht verhältnismäßig: Allzu großzügige Konditionen rufen schnell die Finanzbehörden auf den Plan. Leistung und Gegenleistung müssen immer in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Maßgeblich sind die marktüblichen Sätze. Bei deutlichen Abweichungen sollten Vertragspartner sicherheitshalber vorab steuerlichen Rat einholen.

3. Nicht praktiziert: Mit detailliert ausgestalteten Verträgen ist es nicht getan, sie müssen auch ernsthaft umgesetzt werden. Zahlungen etwa sollten grundsätzlich nicht in bar, sondern über getrennte Bankkonten abgewickelt werden. So lässt sich gegenüber dem Finanzamt auch belegen, dass alle Geldflüsse termingerecht erfolgt sind.

4. Nicht glaubwürdig: Auch wer Angehörigenverträge in einem kurzen Zeitraum mehrfach ändert, weckt das Misstrauen der Finanzbehörden. Schnell steht der Verdacht von Scheinverträgen im Raum. Deshalb: Zeitliche Schamfrist einhalten und steuerlichen Gestaltungsspielraum nicht übermäßig ausreizen.

Quelle: DHPG, www.dhpg.de



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