Barrierefreie Zahnarztpraxis

Virtueller Rundgang zeigt Knackpunkte

KÖLN (Biermann) – Vor welchen Schwierigkeiten stehe ich als Zahnarzt-Patient, wenn ich im Rollstuhl sitze oder schlecht sehen beziehungsweise kaum hören kann? Als Gesunder ist es oft schwer, sich die aus solchen Behinderungen entstehenden Probleme bewusst zu machen. Daher präsentiert nun die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) seit dem 5. August einen virtuellen Rundgang auf ihrer Homepage, der den Praxisbesuch aus der Sicht derart beeinträchtigter Menschen darstellt.

Der Rundgang ist unter der Adresse http://rundgang.kzbv.de erreichbar und simuliert in einer dreidimensionalen Musterpraxis den "typischen" Zahnarztbesuch: So werden mögliche Barrieren im Eingangsbereich, am Empfang, im Warte- und Behandlungszimmer sowie im Sanitärbereich aufgezeigt. Für jede Barriere werden zugleich praktikable Lösungsvorschläge für deren Abbau unterbreitet. Der Schwerpunkt des Rundgangs liegt auf baulichen Aspekten und der Kommunikation in der Zahnarztpraxis.

Rollstuhlfahrer stehen zum Beispiel schon vor dem Betreten der Praxis vor den ersten Problemen – sie kommen nicht an die Klingel oder/und der Rollstuhl passt nicht durch die Tür. Die Lösungen bestehen in einer tieferen Anbringung der Klingel und breiteren Türen.

Für Sehbehinderte ist es wiederum zum Beispiel schwierig, wenn etwa die Klingel schlecht erkennbar ist und nicht deutlich wird, welche Tür den Eingang zur Praxis bildet. Eine entsprechende Kennzeichnung der Klingel – am besten mit Gegensprechanlage – und eine große Beschriftung der Tür können Abhilfe schaffen. Am Empfang sind für sehbeeinträchtigte Patienten eine gute Beleuchtung und Lesehilfen von praktischer Relevanz.

Allerdings sind die Maßnahmen und Umbauten, die für eine barrierefreie Praxis erforderlich sind, mitunter recht teuer. Daher hat die 8. Vertreterversammlung der KZBV, die am 04./05. Juli 2014 in Köln stattfand, die Bundesregierung erneut aufgefordert, ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) "Barrierearme Praxen" aufzulegen, um mehr Möglichkeiten für eine barrierearme Ausgestaltung von Praxen zu schaffen. Denn die mit einem barrierearmen Umbau einer Praxis verbundenen Kosten seien in den Honoraren nicht abgebildet. In Zukunft müssten die dort ihren Niederschlag finden.

Die Vertreterversammlung begründet dies auch damit, dass sich die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet hat, gemeinsam mit der (Zahn-)Ärzteschaft und den Ländern ein Konzept zur Gewährleistung von Anreizen für eine barrierearme Ausgestaltung von Praxen vorzulegen. Ein KfW-Programm sei dafür der geeignete Weg.

"Die KZBV leistet mit diesem virtuellen Rundgang einen weiteren Beitrag dazu, das gesamtgesellschaftliche Thema Barrierearmut auch in Zahnarztpraxen weiter voranzubringen. Die Multimediaanwendung ist dabei nur ein Instrument in einem ganzen Bündel von Maßnahmen, die die Vertragszahnärzteschaft in diesem Bereich in den vergangenen Jahren ergriffen haben. Erklärtes Ziel unserer Aktivitäten ist es, allen Menschen so schnell wie möglich einen barrierearmen Zugang zu einer zahnmedizinischen Versorgung idealerweise in Wohnortnähe zu ermöglichen. Die Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz ist und bleibt damit eines der wichtigsten politischen Ziele des zahnärztlichen Berufsstandes", sagte Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV.

Staatlichen Angaben zufolge sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen schwerbehindert.

Quelle: KZBV, 05.08.2014



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