Zahnmedizinische Ambulanz für Menschen mit Behinderungen

Ausbau aufgrund reger Nachfrage geplant

 

MÜNCHEN  (Biermann) – 7,5 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland und  – nach Angaben des Klinikums der Universität München (LMU) – haben deutschlandweit nur eine Möglichkeit, an einer spezialisierten zahnärztlichen Versorgung teilzunehmen: Die Behindertenambulanz in der Münchner Zahnklinik feierte jetzt ihr dreijähriges Jubiläum. Obwohl diese Bevölkerungsgruppe mit der immer älter werdenden Bevölkerung weiter wächst, ist aktuell die zahnmedizinische Versorgung offenbar noch nicht so recht auf deren Bedürfnisse eingestellt.

 

„Der Weg zum Zahnarzt fällt auch Menschen ohne Behinderung nicht immer leicht. Für Menschen mit einer körperlichen und oder geistigen Behinderung stellt der Zahnarztbesuch jedoch eine besondere Herausforderung dar, ist er doch in vielen Fällen mit großen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt die Schwierigkeit für die rund 7,5 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit einer Schwerbehinderung, eine ausreichend barrierefreie Praxis und einen Zahnarzt zu finden, der sich ihrer Sorgen und Nöte annimmt“, erklärt Zahnarzt Marc Auerbacher.

 

„Dabei ist gerade dieser Teil der Bevölkerung besonders gefährdet, an einer Karies oder chronischen Entzündung des Zahnhalteapparates zu erkranken, da aufgrund motorischer und oder kognitiver Einschränkungen eine effektive Zahnpflege oft nicht möglich ist“. Auerbacher kümmert sich in der Ambulanz zusammen mit zwei zahnmedizinischen Assistentinnen täglich um sieben bis neun Patienten, die zum Teil schwerst körperlich und oder geistig behindert sind.

 

„Die Einrichtung dieser Ambulanz ist ein Herzensprojekt von mir gewesen“, sagt Prof. Reinhard Hickel, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie. „Es hat mich schon einige Zeit gekostet, um das Geld vom bayerischen Staat genehmigt zu bekommen. Aber wir waren am Ende erfolgreich, und ich freue mich wirklich, weil ich sehe, dass unser Angebot extrem gut angenommen wird, und die Patienten und Angehörigen uns sehr viel positives Feedback geben. Aber das ist ohne kompetente und einfühlsame Mitarbeiter nicht möglich.“

 

Nur in den allerwenigsten Fällen stehen die Patienten einer zahnärztlichen Untersuchung und Behandlung unbefangen gegenüber. Ein hohes Angstniveau, negative Erlebnisse aus früheren Zahnarztbesuchen oder Geräuschempfindlichkeiten können die Behandlungskooperation stark einschränken. „Daneben führen körperliche Einschränkungen wie eine erhöhte Muskelspannung oder Schluckstörungen zu einer gesteigerten motorischen Unruhe, wodurch das Arbeiten in der Mundhöhle zusätzlich erschwert wird. Um eine Behandlung trotz aller Widrigkeiten auf dem Zahnarztstuhl durchführen zu können, bedarf es in erster Linie eines hochmotivierten Behandlungsteams, welches durch ein behutsames Vorgehen nach und nach das Vertrauen des Patienten gewinnen kann“, erläutert Auerbacher.

 

Bis jetzt sind Patienten mit Behinderungen nur Gegenstand in der theoretischen Ausbildung von Studenten an der Münchner Zahnklinik, doch das soll sich in Zukunft ändern. „Wir arbeiten derzeit an einem neuen, kompetenzbasierten Lernzielkatalog für Deutschland, in den auch die Behandlung behinderter Menschen aufgenommen wird“, betont Hickel. „Das ist umso wichtiger, weil wir durch die demographische Entwicklung immer mehr alte und damit auch immer mehr behinderte Patienten bekommen werden.“

 

Deswegen hat der Klinikdirektor durchaus Expansionspläne: „Im Moment müssen Patienten etwa vier Wochen auf einen Termin warten, ich kann mir einen weiteren personellen Ausbau der Ambulanz gut vorstellen.“


Quelle: Pressestelle LMU-Klinikum, 03.03.2015

 



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