Zukunftsbereich Gerostomatologie

Der alte Patient im Fokus

KÖLN (Biermann) – Die Bevölkerung wird immer älter und immer mehr alte Menschen haben noch eigene Zähne, die aber natürlich mit dem Alter nicht gesünder werden. Damit kommt der Versorgung  alter Menschen durch Zahnärzte und ihre Mitarbeiterinnen immer mehr Gewicht zu. Laut einem Artikel von Univ.-Prof. Dr. Dr. Ingrid Grunert, Innsbruck, im Bayerischen Zahnärzteblatt „ist abzusehen, dass in nächster Zukunft die Gerostomatologie eines der Hauptarbeitsgebiete der zahnärztlichen Praxis sein wird“.

In ihrem Artikel weist Grunert unter anderem auf verschiedene Faktoren hin, die der Zahnarzt bei der Versorgung alter Patienten im Hinterkopf haben sollte , wie potenziell verminderte kognitive Leistungen, reduzierte Adaptationskapazität, Polymorbidität und Polypharmakotherapie, die mitunter Xerostomie zur Folge hat. Xerostomie plus kariogene Ernährung und schlechte Mundhygiene kann laut Grunert zu einer erstaunlich schnellen Zerstörung der verbliebenen Zähne führen, „vergleichbar mit der Karies von Patienten, deren Zähne bei einer Radiatio im Strahlenfeld liegen“.

Besonders viel im Argen liegt bei der zahnärztlichen Versorgung der vielen Bewohner von Alters- und Pflegeheimen. So wies die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen (KZVH) kürzlich darauf hin, dass sie hessische Zahnärzte bei der Umsetzung der sogenannten „aufsuchenden Betreuung“ in Pflegeheimen unterstützt – seit dem 1. April 2014 auch durch die Bereitstellung von Musterverträgen für Kooperationen zwischen Zahnarzt und Heim. Ein solcher Kooperationsvertrag gebe beiden Seiten – Zahnarzt und Heim – eine rechtlich sichere Basis, regele die Vergütung und trage zu einer höheren gegenseitigen Akzeptanz aller Beteiligten bei.

Der Hintergrund: Am 23. Juli 2015 ist in Deutschland das Versorgungsstärkungsgesetz in Kraft getreten. Danach haben „Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz Anspruch auf zusätzliche Leistungen zahnmedizinischer Prävention“.

Viele Bewohner stationärer Pflegeheime können nicht mehr selbst für eine ausreichende Mundhygiene sorgen und eine Zahnarztpraxis – wenn überhaupt – nur unter großen Mühen aufsuchen. Die seit April 2014 möglichen Kooperationsverträge ermöglichen Besuche in den Heimen.

Die KZVH hat im Juni 2015 mehrere Pflegeheime unterschiedlicher Träger besucht, um Erfahrungen mit der aufsuchenden Betreuung zu erheben. Ihr Fazit: Die regelmäßigen Besuche  reduzieren die Notwendigkeit akuter Schmerzbehandlungen und erhöhen die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen durch verbesserte Mundhygiene. Voraussetzung sei ein zusätzliches Engagement von Angehörigen und Pflegekräften, das sich aber lohne. Akute Situationen werden seltener, Füllungen sind seltener erforderlich, Mundschleimhauterkrankungen und Parodontitis rücken in den Fokus.

Einen Wunsch konnte die KVZH bei allen Beteiligten (Pflegepersonal, Pflegebedürftige und betreuende Zahnmediziner) ausmachen: mehr Zeit.

Umfassendes Informationsmaterial zum Thema „Zähne altern“ stellt auch die Initiative prodente bereit. Unter anderem wird beschrieben, welche Faktoren zu einer seniorengerechten Zahnarztpraxis beitragen:

  • Gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Ebenerdige Lage oder Aufzug
  • Keine Stolperschwellen in der Praxis
  • Klappsitz im Lift
  • Der Verzicht auf beruhigende Hintergrundmusik, um die Kommunikation mit oftmals schwerhörigen Patienten oder Patienten mit schlechter Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Bei solchen Patienten ist es ratsam, ohne Mundschutz langsam, laut und deutlich mit dem Patienten zu sprechen.


Für ältere Menschen ist laut prodente der vierteljährliche Kontakt zur Zahnarztpraxis ratsam: zwei Kontrollen pro Jahr durch den Zahnarzt und unabhängig davon zwei professionelle Zahnreinigungen.

Quellen:
www.kzvh.de/presse/pressearchiv/KZVHO017056.html
www.prodente.de/erkrankungen/alterszahnheilkunde/seniorengerechte-zahnarztpraxis.html
www.bzb-online.de/okt08/48_51.pdf



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