Demografischer Wandel

Versorgung stärker auf Ältere und Menschen mit Pflegebedarf fokussieren

KÖLN (Biermann) – Die kürzlich veröffentlichte Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) hat viel Erfreuliches zu bieten, zeigt aber auch auf, wo noch Handlungsbedarf besteht. Am 16. August wurde sie in Berlin durch das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) vorgestellt.

 

Methodisch anspruchsvoll beschreibe die DMS V repräsentativ die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in Deutschland, erstmals auch die der sehr alten Menschen, heißt es in der diesbezüglichen Pressemitteilung von IDZ, BZÄK und KZBV.

 

Zentrale Ergebnisse lauten:

  • Acht von zehn der 12-jährigen Kinder (81,3%) sind heute völlig kariesfrei.
  • Die Zahl kariesfreier Gebisse hat sich in den Jahren 1997 bis 2014 praktisch verdoppelt.
  • Jeder achte ältere Mensch ist völlig zahnlos. Im Jahr 1997 war es noch jeder vierte.
  • Pflegebedürftige ältere Menschen haben jedoch eine höhere Karieserfahrung und weniger eigene Zähne.
  • Die Zahl der Parodontalerkrankungen nimmt ab. Durch die demografische Entwicklung und die Altersabhängigkeit der Erkrankung ist in der Prognose aber mit einem steigenden Behandlungsbedarf zu rechnen.

 

„Die Studienergebnisse dürfen Patienten und Zahnmediziner stolz machen und belegen, dass die Vorsorge funktioniert und die Bedeutung der Mundgesundheit bei den Patienten steigt“, erklärte Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK. „Prävention erreicht aber noch nicht alle Bevölkerungsgruppen in derselben Weise – Menschen mit Pflegebedarf oder in sozial schwierigen Lebenslagen profitieren nicht im gleichen Maße davon wie die Breite der Bevölkerung. Das ist ein Handlungsauftrag für die Zahnärzteschaft. Auch müssen neue Ansätze in der Prävention genutzt werden, um künftig bei allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen Fortschritte in der Mundgesundheit zu erreichen.“

 

„Die Mundgesundheit ist so gut wie nie“, kommentierte Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV. Für den Berufsstand gelte es, diese Spitzenposition im Interesse der Patienten weiter auszubauen. „So muss aufgrund des demografischen Wandels die Versorgung noch stärker auf Ältere und Menschen mit Pflegebedarf fokussiert werden. Zugleich sagen wir der Parodontitis mit neuen Konzepten entschlossen den Kampf an! Den Daten zufolge steigt der Behandlungsbedarf dieser stillen Volkskrankheit prognostisch an.“ Die GKV bilde notwendige Präventionsmaßnahmen aber noch nicht ausreichend ab, Änderungen seien zwingend erforderlich.

 

Für die DMS V wurden von Oktober 2013 bis Juni 2014 deutschlandweit mehr als 4600 Menschen an 90 Standorten sozialwissenschaftlich befragt und zahnmedizinisch untersucht. Berücksichtigt wurden neben klinischen Daten auch umfangreiche soziodemografische und verhaltensbezogene Einflüsse.

 

Die vollständige Studie im e-Shop des Deutschen Ärzteverlages http://shop.aerzteverlag.de/

 

Quelle: IDZ, BZÄK und KZBV, 16.08.2016

 



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