Bei Altenheim-Bewohnern hängen Mundgesundheit und Nahrungsangebot zusammen


Zahnmedizinische Schulungen des Pflegepersonals lohnen sich

WITTEN/HERDECKE (BIERMANN) - Wenn Bewohner von Altenheimen Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch haben, dann haben sie auch eher Probleme mit der Ernährung.

Diesen Zusammenhang konnte die interdisziplinäre Forschergruppe "Gesund altern in Witten" unter Leitung der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, des Zahnmediziners Prof. Dr. Dietmar Gesch und des Mediziners Dr. Stefan Wilm in einer ersten Pilotstudie in drei Wittener Altenheimen beobachten.

So war die Mundgesundheit bei den 53 Teilnehmern der Studie, die in irgendeiner Form passierte Kost (passiertes Fleisch, passiertes Mittagessen, passierte Kost bei allen Mahlzeiten, angedickte Flüssigkeiten) erhielten, viel häufiger insuffizient als bei den Bewohnern der Einrichtungen, die normale Kost zu sich nahmen.

Tatsächlich erhielt kein Bewohner, dessen Zähne und Zahnfleisch in gutem Zustand waren, passierte Kost. Ob allerdings jeweils die fehlende Kaufähigkeit - oder auch andere Faktoren - für den Erhalt der passierten Kost verantwortlich war, wird Gegenstand weiterer Forschung sein.

Weiterhin zeigt die Pilotstudie, dass das Pflegepersonal den Gesundheitszustand der Altenheim-Bewohner wesentlich höher und die Notwendigkeit einer zahnmedizinischen Versorgung wesentlich niedriger einschätzte, als sie tatsächlich nach zahnärztlicher Beurteilung waren.

Aufgrund dieser zu positiven Einschätzung wurde nicht bedarfsgerecht zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Besondere Mundhygienemängel traten zum Erstaunen der Forscher im vorderen Mundbereich an Schneide- und Eckzähnen auf. Allerdings führte eine Schulung des Pflegepersonals zur Mundgesundheit durch eine Pflegewissenschaftlerin und eine Zahnärztin auch noch nach mehreren Wochen zu einem deutlich verbesserten Pflegezustand im Mundbereich.

Die Zahnbeläge, die vorher nur unzureichend erkannt und beseitigt wurden, waren erheblich reduziert. Vom geschulten Personal wurden auch die Prothesen der Bewohner deutlich besser gepflegt als von der nicht geschulten Vergleichsgruppe.

Insgesamt bewirkte das Projekt zudem eine bessere Kooperation, Koordination und Kommunikation mit den Zahnärztinnen und Zahnärzten. Allerdings stehen einer besseren zahnmedizinischen Versorgung immer noch wirtschaftliche Gründe im Wege.

Die Sensibilisierung der Pflegenden in Bezug auf Nebenwirkungen von Medikamenten im Mund- und Rachenbereich bewirkte ebenfalls eine Verbesserung der Mundgesundheit der Teilnehmer. Gerade durch Mundtrockenheit- eine unerwünschte Nebenwirkung einiger Medikamente - können sich Zahnfleisch und Schleimhäute entzünden, was die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschwert.

Quelle: Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, 28.10.2009

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