Misserfolge in der Zahnimplantologie

 

Erkennen und beherrschen

 

HAMBURG (BIERMANN) –  „Nur der kann ein guter Arzt oder Zahnarzt sein, wer den Misserfolg zugibt, erträgt und daraus die richtigen Konsequenzen zieht“, erklärte kürzlich der Memminger Oralchirurg Dr. Gerhard Iglhaut, Präsident des 24. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, der vom 25. bis 27. November 2010 in Hamburg stattfand.

Statistisch gesehen wird in diesem Jahr jeder Bundesbürger einmal auf dem Behandlungsstuhl in einer Zahnarztpraxis gesessen haben. Bis zum Jahresende dürften in Deutschland rund 80 Millionen Behandlungen erfolgt sein – zumindest verzeichnete die Bundeszahnärztekammer in der ersten Jahreshälfte bereits 40 Millionen Therapien.

Angesichts dieser Zahlen ist die Zahl von 2300 Beschwerden über zahnmedizinische Behandlungen oder Rechnungen, die in diesem Jahr beispielsweise bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) eingetroffen sind, verschwindend gering. Juristen schätzen, dass jährlich etwa 2000 Patienten vor Gericht Haftungsansprüche gegen ihren Zahnarzt geltend machen – auch dies ist eine geringe Zahl.

Gleichwohl beobachten Juristen, dass die Haftungsfälle spürbar steigen, auch und gerade im Bereich der Zahnimplantologie. Der Grund: Angesichts steigender Implantationszahlen, einer steigenden Zahl von implantierenden Zahnärzten und komplexer werdenden Eingriffen steigt auch die absolute Zahl von Misserfolgen – „wobei Misserfolg nicht automatisch ‚Fehlbehandlung’ des Zahnarztes bedeutet“, betont Iglhaut. „Auch mit einem bestmöglichen Vorgehen lassen sich nicht alle Risiken ausschalten.“ Hinzu kommt, dass auch das Verhalten der Patienten, z. B. Rauchen, oder bestimmte Erkrankungen Risikofaktoren sind.

Eine implantologische Behandlung wird heute vom angestrebten Therapieergebnis her geplant – „backward planning“. Implantate sollen möglichst dort gesetzt werden, wo sie eine bestmögliche prothetische Versorgung mit Zahnersatz erlauben. Planungsfehler haben daher Folgen für die nachfolgende Umsetzung. Je komplexer der chirurgische Eingriff, desto risikoreicher ist er. So erfordert beispielsweise der Aufbau des geschrumpften Kieferknochens mit körpereigenen Knochentransplantaten viel Erfahrung. Dabei muss auch das Weichgewebe berücksichtigt werden. Es muss „spannungsfrei“ über dem Transplantat vernäht werden können und kann daher nur ein bestimmtes Volumen an transplantiertem Knochen bedecken. Gefürchtet ist die Nahtdehiszenz..

Wenn Implantate verloren gehen – was eher selten der Fall ist – geschieht dies zumeist in der Einheilphase. Eine Überlastung der künstlichen Wurzel oder Entzündungen können dazu führen, dass das Implantat sich nicht fest mit dem umgebenden Knochengewebe verbindet. Entzündungen können auch noch längere Zeit nach der Behandlung Probleme verursachen.

Leichte Blutungen oder Sekretentleerungen der Schleimhaut um das Implantat herum können durchaus vorkommen und treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Allerdings ist es wichtig, durch eine gute Mundhygiene Entzündungsprozesse zu verhindern, die dann auch auf das umliegende Knochengewebe übergreifen können (Periimplantitis). Wird diese Entzündung nicht gestoppt, ist das Implantat meistens nicht mehr zu erhalten. Untersuchungen, die auch auf dem Hamburger Kongress präsentiert wurden, belegen, dass in solchen Fällen jedoch erneut implantiert werden kann.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich, 26.11.2010
 

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