Misshandelte Kinder in der Zahnarztpraxis

 

Wie erkennen, was tun?

 

KÖLN (BIERMANN) – Unfall oder Misshandlung – das hat sich wohl so mancher Zahnarzt schon gefragt, wenn ein verletztes Kind auf seinem Stuhl saß. Die aktuelle deutsche Ausgabe der Dental Tribune gibt Hinweise, worauf Zahnärzte beim Verdacht auf eine Misshandlung achten und wie sie vorgehen sollten.

  • Ist die Verletzung unbeabsichtigt geschehen, erzählen die Kinder meist gern frei und unbefangen, wie es passiert ist. Oder blickt das Kind erst zu Vater oder Mutter, bevor es Ihre Frage beantwortet? Achten Sie auf verständliche, freundliche und beruhigende Worte und urteilen Sie nicht zu schnell. Vermeiden Sie die Frage, ob eine bestimmte Person dem Kind etwas getan hat. Achten Sie darauf, dass das Kind antwortet, nicht der anwesende Elternteil.
  • Stimmt die beobachtete Verletzung mit der Vorgeschichte überein? Bei Unfällen werden oft Oberlippe, Stirn und Kinn verletzt.
  • Achten Sie auf ungewöhnliche Muster, wie beidseitige Lippenhämatome durch Zwicken und Kneifen.
  • typisch für Schläge mit einer beringten Hand: frakturierte Zähne mit sternförmiger Fragmentierung in kleine Stücke, bei gleichzeitigem Fehlen von Lippenverletzungen
  • Risse des Oberlippenbändchens: Werden Sie hellhörig, wenn das Kind erst mit Verzögerung bei Ihnen vorgestellt wird. Für Laien sieht die normale Sekundärheilung der intraoralen Wunde „infiziert“ aus, deshalb kommen sie dann mit Verzögerung.
  • Extrusionen oder Luxationen beruhen häufig auf Misshandlungen, wenn etwa Schnuller oder Decke aus dem Mund gerissen werden.
  • gewaltsames Fläschchen geben: die Zähne sind in linguale Richtung eingedrückt, es finden sich Einreißungen der Gingiva im Oberkiefer
  • Verletzungen durch menschliche Bisse können Zeichen für körperliche Gewalt wie für sexuellen Missbrauch sein: sie sind oft oberflächlich, mit ovalem Erscheinungsbild sowie Blutergüssen und/oder Abschürfungsspuren von Zähnen. Nehmen Sie Fotos senkrecht zur Verletzung auf und legen Sie in der gleichen Ebene einen Maßstab (etwa ein Lineal) daneben, den Sie für die spätere Verwendung aufbewahren. Achtung: Bissverletzungen sind oft einige Tage später besser sichtbar, eine Beurteilung über mehrere Tage hinweg daher hilfreich. Bei genauer Dokumentation kann ein forensischer Zahnarzt gegebenenfalls dann nicht nur zwischen Bissen von Mensch und Tier unterscheiden, sondern möglicherweise sogar den Angreifer identifizieren.


Unter Umständen können auch Abstriche von der Gesichtshaut bei der Sicherung von DNS-Spuren des Täters helfen.

Und die Schweigepflicht? Seit dem 16.5.2007 ist der Arzt oder Zahnarzt nach § 1 Art. 14 Abs. 6 GDVG sogar verpflichtet, einen erheblichen Verdacht einer Kindesmisshandlung unverzüglich dem Jugendamt zu melden, schreibt die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZBV). Weiterhin sei der Arzt grundsätzlich befugt, zur "Abwendung einer Gefahr für Leib und Leben" die Schweigepflicht zu brechen.

Die KZBV hat gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München einen Untersuchungsbogen entwickelt, der Zahnärzten bei die Dokumentation der Befunderhebung erleichtern soll. Er ist steht unter www.kzbv.de im Bereich Zahnarztpraxis zum Herunterladen bereit.

Mehr Informationen:
www.dental-tribune.com
www.cdafoundation.org
www.gewalt-gegen-kinder-mw.de

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