Krebs im Mund-Rachen-Raum


HPV-Antikörpertest als Frühwarnsystem

HEIDELBERG (Biermann) – Weist ein neuer Test Antikörper gegen Humane Papillomviren des Hochrisiko-Typs HPV 16 nach, könnte dies künftig dazu beitragen, die Gefahr einer Tumorerkrankung im Mund-Rachen-Raum lange vor ihrem Ausbruch zu erkennen. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie, an der Mitarbeiter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) beteiligt waren. Erschienen ist sie kürzlich in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“.

Dass humane Papillomviren (HPV) mit Gebärmutterhalstumoren und anderen Krebsarten des Ano-Genitalbereichs in Verbindung stehen, ist schon lange bekannt. In den letzten Jahren wird jedoch auch in zunehmendem Maße die Diagnose „Krebs des Mund-Rachen-Raums“ im Zusammenhang mit HPV-Infektionen gestellt – vor allem bei Männern treten diese teilweise virusbedingten Tumoren gehäuft auf.

HPV-Typ 16 gilt als besonders gefährlicher HPV-Typ. Sind Antikörper gegen das Protein E6 dieses Virustyps im Blut nachweisbar, besteht ein sehr hohes Risiko, infolge der Virusinfektion Tumoren des Mund-Rachen-Raums zu entwickeln.

Michael Pawlita, HPV-Forscher am DKFZ, und seine Gruppe verfügen über große Expertise beim Nachweis von Antikörpern gegen HPV. „Unser Labor hat einen speziellen Test entwickelt und ist eine von weltweit ganz wenigen Einrichtungen, die dieses Nachweisverfahren durchführen können“, sagt Pawlita. Mit seinem Test konnten die Studienpartner prüfen, ob sich die Antikörper gegen HPV 16 als Biomarker zur Früherkennung von HPV-verursachtem Krebs des Mund-Rachen-Raums eignen.

„Unsere Ergebnisse sind in dieser Hinsicht sehr vielversprechend“, erläutert Seniorautor Paul Brennan von der International Agency for Research on Cancer (IARC). „Lange wussten wir nicht, ob Antikörper gegen HPV 16 zu einem Zeitpunkt im Blut vorkommen, zu dem noch gar keine klinischen Anzeichen der Krebserkrankung erkennbar sind. Nun haben wir nachgewiesen, dass bereits zwölf Jahre vor Ausbruch von Tumoren im Mund-Rachen-Raum Antikörper im Serum auftreten.“ Bisher gab es für diese seltene Krebsart keine derartig präzise Möglichkeit der Früherkennung.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie betrifft die Überlebenszeit nach der Diagnose. Patienten mit Mund-Rachen-Tumoren, die Antikörper gegen das HPV 16-spezifische Protein E6 im Blut aufwiesen, haben offenbar eine bessere Prognose als Patienten, bei denen dies nicht der Fall war. Die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre nach der Krebsdiagnose noch am Leben zu sein, war bei den positiv getesteten Patienten dreimal so hoch.

Für den Antikörper-Nachweis untersuchten die Wissenschaftler Blutproben von knapp 2600 Teilnehmern der EPIC-Studie, die zum Zeitpunkt der Blutentnahme noch nicht an Tumoren im Mund-Rachen-Raum litten. Die Untersuchungsergebnisse von knapp 1000 Personen, die in den Folgejahren an dieser Krebsart erkrankten, wurden anschließend denen einer Vergleichsgruppe von rund 1600 gesunden Individuen gegenübergestellt.

Klassische Auslöser von Tumoren des Mund-Rachen-Raums sind starker Tabak- und Alkoholkonsum. In den letzten Jahrzehnten tritt dieser Krebs in etlichen Regionen der Welt, vor allem Europa und Amerika, vermehrt auf. Es ist anzunehmen, dass dieser Zuwachs auf der gestiegenen Zahl von HPV-assoziierten Tumoren beruht. Zudem scheinen veränderte Sexualpraktiken wie Oralverkehr das Auftreten von HPV-assoziiertem Krebs im Mund-Rachen-Raum zu begünstigen. Studien deuten darauf hin, dass bis zu zwei Drittel der Patienten mit dieser Krebsart Antikörper gegen das HPV-Protein E6 gebildet haben.

Originalarbeit: AR Kreimer et al. Evaluation of Human Papillomavirus Antibodies and Risk of Subsequent Head and Neck Cancer. Journal of Clinical Oncology, 2013. http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2012.47.2738

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum, 18.06.2013



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