Neue Zusammenhänge zwischen Herzinfarkt und Parodontitis entschlüsselt

Risikogen steuert Gene des Fett- und Zuckerstoffwechsels

KIEL (Biermann) – Das ANRIL-Gen gilt als der wichtigste genetische Risikofaktor für Herzinfarkt und Parodontitis, seine Funktion in der Ursachenlehre beider Krankheiten war bislang jedoch völlig unklar. Nun haben Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) gemeinsam mit Kollegen aus Amsterdam und Bonn 208 bedeutende Funktionen des Gens entschlüsselt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in „Human Molecular Genetics“ publiziert.

„Wir haben das Immunsystem der Zellen ausgetrickst, um zu sehen, welche Gene beim Ausschalten von ANRIL hoch- oder herunterreguliert werden“, erklärt Dr. Arne Schäfer. Rund 22.000 Genprodukte beobachteten die Biologen über verschiedene Zeiträume, nachdem sie ANRIL ausgeschaltet hatten. Drei Gene stachen jedes Mal besonders heraus und wurden in ihrer Funktion herabgesetzt: ADIPOR1, VAMP3 und C11ORF10, die in einem wichtigem Zusammenhang zum Fett- und Zuckerstoffwechsel stehen.

Im weltweit größten Kollektiv von Parodontitis-Patienten des European Periodontitis Genetics Consortium fanden die Forscher eine weitere genetische Risikovariante, indem sie die DNA von 870 Parodontitis-Patienten und einer Kontrollgruppe von 2700 Gesunden untersuchten. Dieser Befund konnte bei mehr als 21.000 Herzinfarkt-Patienten und 44.000 Kontrollen des größten europäischen Patientenkollektivs für den Herzinfarkt (CARDIoGRAM) bestätigt werden. Der Abschnitt der DNA, in dem diese Variante liegt (VAMP3/CAMTA1), wurde bereits zuvor mit einem deutlich erhöhten Auftreten krankmachender Parodontalkeime in Verbindung gebracht.

„Bei der Zielgruppe der Parodontitis-Patienten haben wir uns auf normalgewichtige Personen unter 35 Jahren konzentriert, um die Unabhängigkeit der Befunde von anderen Ursachen der Krankheit – wie jahrzehntelanges Rauchen und Übergewicht –, zu gewährleisten. Der Befund in der riesigen europäischen Stichprobe zum Herzinfarkt, der sich unabhängig vom Alter und Geschlecht zeigte, weist auf die generelle Bedeutung der gefundenen Zusammenhänge für diese Krankheit“, erläutert Schäfer die Ergebnisse seiner Forschung weiter.

Das Team der Kieler Universität und des UKSH identifizierte auch neue Risikogen-Varianten für Parodontitis, die innerhalb des C11ORF10/FADS-(Fettsäuren-Desaturase) Genclusters liegen. Sie werden schon länger mit dem Metabolischen Syndrom und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Zusammenhang gebracht.

„Unsere Ergebnisse bringen uns bei der Erforschung der genetischen Ursachen des Herzinfarktes einen sehr großen Schritt voran“, sagt Schäfer, „Sie weisen auch darauf hin, dass ein gestörter Fett- und Zuckerstoffwechsel, vermutlich durch seine Effekte auf die Bildung von Entzündungsmediatoren, eine große Rolle bei der Entstehung der Parodontitis spielt. Parodontitis und die Arteriosklerose, die häufig zu Herzinfarkten führt, scheinen einen gemeinsamen kausalen Zusammenhang zu haben, der möglicherweise auch in Prozessen des Fettstoffwechsels zu finden ist.“

Schäfer weist zudem auf den weltweit einmaligen, großen Einsatz von Zahnärzten insbesondere aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich hin, der diese Studie erst möglich gemacht hatte.

Originalpublikation: Hum. Mol. Genet. 2013; dx.doi.org/10.1093/hmg/ddt299

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, , 23.07.2013



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