Potenzielle Ursache der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation entdeckt

Frühe Exposition gegenüber Bisphenol A könnte Zahnschmelz schädigen

PARIS (Biermann) – Bei Bisphenol A (BPA) handelt es sich um eine chemische Substanz, die sich in Plastik und Harzen findet. Sie wird zum Beispiel bei der Herstellung von Behältern für Nahrungsmittel oder Nuckelflaschen verwendet. Zudem wird sie für die Schutzfilme auf der Innenseite von Getränke- und Konservendosen eingesetzt sowie als Entwickler auf Kassenbons.

Signifikante Mengen BPA sind bereits in menschlichem Blut, Urin, Fruchtwasser und Plazenten gefunden worden. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass BPA nachteilige Effekte auf die Reproduktion, Entwicklung und den Stoffwechsel von Labortieren hat. Es besteht der starke Verdacht, dass dieselben Effekte auch beim Menschen greifen.

Als Vorsichtsmaßnahme wurden Herstellung und Verkauf BPA-haltiger Nuckelflaschen in Europa im Januar 2011 verboten. In Frankreich wird dieses Verbot ab Juli 2015 auf alle Nahrungsmittelbehälter ausgeweitet.

Eine aktuelle Studie spricht nun dafür, dass Zähne die neuesten Opfer von BPA auf einer bereits langen Liste sind. Die Wissenschaftler um Katia Jedeon vom Pariser INSERM haben gezeigt, dass die Schneidezähne von Ratten, die mit niedrigen täglichen Dosen BPA (5 Mikrogramm/kg/Tag)  behandelt wurden, dadurch geschädigt werden könne. Dieser Effekt ist auch innerhalb eines Entwicklungsfensters von nicht mehr als 30 Tagen nach der Geburt bei Ratten beobachtet worden, was die Spanne der Sensitivität gegenüber der Exposition aufzeigt.

Die Analyse dieser Zähne demonstrierte zahlreiche Charakteristika, die bei der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – einer Schmelzbildungsstörung– häufig sind. Die MIH betrifft selektiv die ersten Molaren und die bleibenden Schneidezähne. Diese Schmelzbildungsstörung zeigen laut INSERM-Mitteilung rund 18 Prozent der Kinder zwischen sechs und acht Jahren.

Die von dieser Pathologie betroffenen Kinder haben sehr schmerzempfindliche Zähne mit erhöhter Kariesneigung. Interessanterweise entspricht die Phase, in der diese Zähne gebildet werden (die ersten Lebensjahre) dem Zeitraum, in dem Menschen am empfindlichsten gegenüber BPA sind.

Frühe Beobachtungen belegen „weiße Flecken” auf den Schneidezähnen von Ratten, die mit endokrinen Disruptoren behandelt worden waren, darunter auch BPA. Die Wissenschaftler um Jedeon beschlossen daher, die Charakteristika der Schneidezähne von Ratten, die mit niedrigen Dosen BPA behandelt worden waren, zu definieren und mit den Charakteristika von Menschen zu vergleichen, die unter MIH leiden. Die makroskopische Beobachtung der Flecken auf beiden Zahn-Serien zeigte Ähnlichkeiten, insbesondere fragilen und spröden Zahnschmelz.
 
Die mikroskopische Untersuchung des Zahnschmelzes ergab eine signifikante Reduktion der Verhältnisse von Kalzium zu Phosphor und von Kalzium zu Kohlenstoff in den betroffenen Zähnen. Dies führt zu einem Schwund an Mineralien, was die Zähne brüchiger und kariesanfälliger werden lässt.

Zu guter Letzt ergab die Analyse der Proteine in der Zahnmatrix der Ratten eine erhöhte Quantität an Enamelin, einem Schlüsselprotein für die Zahnschmelzbildung, und eine Anhäufung von Albumin, was zur Hypomineralisierung führte.  Die Analyse der Expression zweier wichtiger Zahnschmelzgene zeigte zwei BPA-Zielgene auf: Enamelin und Kallicrein 4.

„Insofern BPA bei Ratten denselben Aktionsmechanismus hat wie bei Menschen, könnte es auch eine kausale Substanz für MIH sein“, kommentiert Seniorautorin Sylvie Babajko. „Daher könnten Zähne als frühe Marker für die Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren genutzt werden, die auf dieselbe Weise wie BPA agieren. Daher könnten sie helfen, schwerwiegende Pathologien zu erkennen, die sich ansonsten erst einige Jahre später zeigen.“

Quelle: INSERM (Institut national de la santé et de la recherche médicale), 10.06.2013 ;

American Journal of Pathology 2013 ;183(1):108-118;
ajp.amjpathol.org/article/S0002-9440(13)00279-4/



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