Einheilung von Zahnimplantaten

Biologie lässt sich nicht austricksen

FRANKFURT/MAIN (Biermann) – In Deutschland werden Zahnimplantate immer beliebter, neue diagnostische und therapeutische Konzepte ermöglichen auch sehr komplexe Eingriffe. „Doch was die Einheilzeit eines Implantats betrifft, gilt der Satz: Die Biologie kann man nicht austricksen“, erklärte Prof. Dr. Germán Gómez-Román vom Zentrum für ZMK-Heilkunde der Universität Tübingen auf dem 27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Frankfurt/Main.

Zwar warten die Experten nach einem Zahnverlust heute mit der Implantation nicht mehr so lange wie früher – unter günstigen Umständen ist sogar eine Sofort-Implantation unmittelbar nach der Zahnextraktion möglich und sinnvoll. Zumeist erfolgt die Implantation jedoch einige Wochen nach der Extraktion, sobald die Wunde verheilt ist.

Verwachsen des Implantats mit dem Knochen braucht Zeit

„Doch an den Gesetzmäßigkeiten der Biologie lässt sich nicht rütteln“, sagte Gómez-Román. Eine sofortige Belastung ist nur vereinzelt möglich, etwa dann, wenn in einem zahnlosen Unterkiefer vier Implantate gesetzt und miteinander verblockt werden. In der Regel dauert es aber drei Monate im Unterkiefer und vier Monate im Oberkiefer, bis ein Implantat fest mit dem umliegenden Knochen verwachsen ist. Ist der Kieferknochen geschrumpft und muss aufgebaut werden, kann es noch länger dauern, bis die künstliche Zahnwurzel belastet werden darf.

Zwar gibt es verschiedene Ansätze, die Wundheilung des Weichgewebes nach der Implantation zu beschleunigen, „doch diese beeinflussen nicht gleichermaßen die Verbindung zwischen Implantat und Knochen“, kommentierte Gómez-Román.

Schonendere Eingriffe dank 3-D-Diagnostik

Neue Entwicklungen und Trends haben die Eingriffe in den letzten Jahren schonender gemacht. Das bessere Management von Knochen und Weichgewebe basiert vor allem auf besseren diagnostischen Möglichkeiten wie der dreidimensionalen Diagnostik mit der Digitalen Volumentomographie (DVT).

„Die 3-D-Diagnostik erlaubt eine exakte Vorhersagbarkeit des implantologischen Eingriffs“, erklärte Gómez-Román. Sie ist vor allem bei komplexeren Eingriffen hilfreich, ebenso auch dann, wenn eine zweidimensionale konventionelle Röntgenaufnahme wichtige Strukturen in der Nähe der Implantatstelle nicht ausreichend darstellt. Aufgrund einer exakten Planung am Computer ermöglicht diese Diagnostik einen Implantateingriff „ohne Schnitte“, bei dem der Knochen nicht mehr freigelegt werden muss. Mittels einer 3-D gestützten Navigationsschablone, die auf Grundlage der diagnostischen Daten produziert wird, ist der Implantologe in der Lage, den Implantateingriff sehr schonend durchzuführen, eine etwa vier Millimeter kleine Öffnung in der Schleimhaut genügt, um das Implantat zu setzen.

Kürzere und dünnere Implantate noch nicht langfristig erprobt

Wenn ein Knochenaufbau nicht möglich ist, erproben die Implantologen seit einigen Jahren auch kürzere (unter 10 Millimeter) und/oder dünnere Implantate mit einem Durchmesser zwischen 3 und 3,5 Millimeter. Dünne Implantate können in den vorderen Kieferbereichen eingesetzt werden, wenn der Kieferknochen zu dünn ist, um ein konventionelles Implantat aufzunehmen. Als Träger für Backenzähne sind die Dünnen allerdings nicht geeignet.

„Nach allem was wir wissen, besteht auch ein klarer Zusammenhang zwischen der Länge eines Implantats und der Überlebensrate“, betont Gómez-Román. „Ein dünneres und kürzeres Implantat ist weniger belastbar als ein normales.“ Bislang fehlen noch Langzeitstudien zu den kürzeren und dünneren Implantaten. „Der Einsatz der kurzen Implantate ist daher zur Zeit nur in ausgewählten Fällen eine Option“, kommentiert Gómez-Román.

Auf Langzeitstudien warten die Experten auch bei Keramik-Implantaten aus Zirkoniumoxid. Auch diese werden seit einigen Jahren erprobt. Zwar bieten diese Implantate aufgrund ihrer weißen Farbe gewisse ästhetische Vorteile, doch bei der Einheilung muss man vorsichtiger sein als bei künstlichen Zahnwurzeln aus Titan und noch ist unklar, ob sie auch langfristig so haltbar sind. „Auch hier ist eine abschließende Beurteilung noch nicht möglich“, sagte Gómez-Román.

Quelle: DGI, 29.11.2013



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