Infektiöse Endokarditis in England von 2000-2013

Weniger Antibiotika-Prophylaxe, mehr Endokarditis-Fälle

TAUNTON (Biermann) – Historisch lag der Fokus der Prävention infektiöser Endokarditis auf der antibiotischen Prophylaxe, die Risikopatienten vor invasiven dentalen Eingriffen verabreicht wird. Nun haben in jüngster Zeit Veränderungen in den entsprechenden Leitlinien in den USA und Europa die Zahl der Patienten, denen eine antibiotische Prophylaxe empfohlen wird, erheblich reduziert.In Großbritannien wurde durch die Leitlinien des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) im März 2008 sogar empfohlen, die Antibiotika-Prophylaxe zur Prävention infektiöser Endokarditis vollständig zu beenden. Ein Forscherteam um Dr. Mark J. Dayer vom Taunton and Somerset NHS Trust hat sich nun der Frage gewidmet, inwieweit sich die Verschreibungspraxis und die Inzidenz der infektiösen Endokarditis seit Einführung dieser Leitlinien verändert hat.

 

Die Autoren analysierten die Daten zu Verschreibungen der Antibiotika-Prophylaxe vom 1. Januar 2004 bis zum 31. März 2013 und die Statistiken dazu, wie viele Patienten mit der Primärdiagnose einer infektiösen Endokarditis zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31. März 2013 aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Dabei verglichen sie die Inzidenz der infektiösen Endokarditis vor und nach Einführung der NICE-Leitlinien.

 

Die Verschreibungen der Antibiotika-Prophylaxe zur Prävention der infektiösen Endokarditis fielen nach Einführungen der NICE-Leitlinien erheblich: Waren es zwischen dem 1.1.2004 und dem 31.3.2008 pro Monat 10.900 Rezepte gewesen, so fiel die Zahl zwischen dem 1.4.2008 und dem 31.3.2013 auf 2236 Rezepte (p<0,0001).

 

Beginnend im März 2008 stieg die Zahl der Fälle mit infektiöser Endokarditis signifikant über den projizierten historischen Trend, und zwar um 0,11 Fälle pro 10 Millionen Menschen pro Monat (95%-KI 0,05-0,16, p<0,0001). Bis März 2013 wurden 35 Fälle mehr pro Monat berichtet als erwartet worden wäre, wenn der vorherige Trend angehalten hätte. Dieser Anstieg bei der Inzidenz der infektiösen Endokarditis war sowohl bei Personen mit einem hohen und einem geringeren Risiko für die Erkrankung signifikant.

 

„Auch wenn unsere Daten keinen Kausalzusammenhang herstellen, so sind doch in England seit Einführung der NICE-Leitlinien von 2008 die Rezepte für eine Antibiotika-Prophylaxe erheblich zurückgegangen und die Inzidenz der infektiösen Endokarditis ist signifikant angestiegen“, bilanzieren die Autoren.

Quelle: Lancet 2015;385(9974):1219-1228. dx.doi.org/10.1016/S0140-6736

 



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