Fluoridlacke bei Schmelzkaries an Milchzähnen

Vorbericht publiziert – das IQWiG bittet um Stellungnahmen

KÖLN (Biermann) – Karies ist zwar bei Erwachsenen und Jugendlichen rückläufig, Untersuchungen bei den unter 3-Jährigen zeigen aber fast keine Reduktion dieser Art von Zahnschäden. Nützen oder schaden Fluoridlacke, die lokal auf oberflächliche, erst beginnende Schäden am Zahnschmelz von Milchzähnen aufgetragen werden? Mit dieser Frage hat sich das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) daher jetzt befasst.

Die vorläufigen Ergebnisse dieser Nutzenbewertung lägen nun vor, teilte das IQWiG am 20. Oktober mit. Demnach bleiben Nutzen oder Schaden unklar, da es bisher keine geeigneten Studien gibt. Bis zum 18. November 2016 können interessierte Personen oder Institutionen zu diesem Vorbericht Stellungnahmen abgeben.

Gegenstand dieser Nutzenbewertung war allein die die lokale Applikation auf initialen Kariesläsionen, nicht der breite Einsatz zur Prophylaxe. Die IQWiG-Wissenschaftler suchten nach Studien, die einen direkten Vergleich zwischen der Therapie mit einer lokal begrenzten Fluorid-Lackierung einerseits und einer alternativen oder einer Schein-Behandlung (Placebolack) andererseits anstellen. Dabei sind begleitende Maßnahmen wie etwa professionelle Zahnreinigung oder Ernährungsberatungen zugelassen, sofern diese in beiden Studienarmen in gleicher Weise eingesetzt werden. Aufgrund der Art der Intervention sind randomisierte kontrollierte Studien (RCT) möglich.

Solche Studien gibt es laut IQWiG bislang allerdings nicht. Denn von einer Ausnahme abgesehen unterscheiden die verfügbaren Studien nicht zwischen Therapie und Prävention. Das zeigt sich darin, dass der Fluoridlack nicht nur lokal begrenzt, sondern auf das gesamte Milchgebiss aufgetragen wurde. Bei einigen Studien waren zudem die erhobenen Zielkriterien nicht patientenrelevant: Der Grad der Remineralisation allein ist für die Patienten nicht spürbar, wohl aber die Notwendigkeit einer Zahnfüllung.

Schließlich seien bei vielen Studien die Daten mit den Behandlungsergebnissen nicht patienten-, sondern zahnbasiert ausgewertet worden, kritisiert das IQWiG. So bleibe aber unberücksichtigt, dass der Zustand eines einzelnen Zahns abhängig ist von einer ganzen Reihe von patientenindividuellen Faktoren, z. B. von der jeweiligen Mundhygiene.

Somit blieben Nutzen und Schaden lokal applizierter Fluoridlacke auf initialen Kariesläsionen im Milchgebiss unklar. Geeignete Studien wären aber machbar, weshalb der Vorbericht auch konkrete Vorschläge zu einem geeigneten Design enthält.

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Mai 2016 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im August 2016 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen.

Hier geht es zum Vorbericht.

Quelle: IQWiG, 20.10.2016



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