Zahnlose Patienten mit koronarer Herzkrankheit

Sterberisiko fast verdoppelt

UPPSALA (Biermann) – Zahnlose  Patienten, die zugleich unter der koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden, haben ein fast doppelt so hohes Sterberisiko wie jene, die noch alle Zähne haben, berichten Forscher aus Schweden im „European Journal of Preventive Cardiology“. Mehr noch: Die Studie zu mehr als 15.000 Patienten aus 39 Ländern zeigte, dass der Grad an Zahnverlust linear mit steigenden Sterberaten assoziiert war.

„Der Zusammenhang zwischen dentaler Gesundheit – insbesondere Parodontalerkrankungen – und kardiovaskulären Erkrankungen hat in den vergangenen 20 Jahren zunehmend Beachtung gefunden“, sagte Erstautor Dr. Ola Vedin, Kardiologe am Universitätsklinikum Uppsala und am Uppsala Clinical Research Center. „Er ist bei Patienten mit bekannter KHK, die ein besonders hohes Risiko für nachteilige Ereignisse und Tod haben und intensive Präventionsmaßnahmen benötigen, allerdings bisher nur unzureichend erforscht worden.“

Diese Studie war daher die erste, die prospektiv den Zusammenhang zwischen Zahnverlust und den Krankheitsverläufen bei KHK-Patienten untersucht hat. Eingeschlossen waren 15.456 Patienten aus 39 Ländern auf fünf Kontinenten aus der STABILITY-Studie. Zu Studienbeginn füllten die Teilnehmer einen Fragebogen zu Lebensstilfaktoren (Rauchen, körperliche Aktivität, etc.), psychosozialen Faktoren und Zahl der Zähne in fünf Kategorien aus (26-32 [betrachtet als „alle Zähne vorhanden“], 20-25, 15-19, 1-14 und keine).

Die Nachbeobachtung erfolgte im Schnitt über 3,7 Jahre. Vedin und seine Kollegen berechneten die Zusammenhänge zwischen Zahnverlust und Outcomes nach Adjustierung um kardiovaskuläre Risikofaktoren und sozioökonomischen Status. Primärer Endpunkt waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse (zusammengesetzt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall).

Patienten mit hochgradigem Zahnverlust waren tendenziell älter, Raucher, weiblich, weniger aktiv und gebildet, hatten einen höheren Body-Mass-Index und litten eher unter Diabetes sowie Hypertonie. Während der Nachbeobachtung gab es 1543 schwere kardiovaskuläre Ereignisse, 705 kardiovaskuläre Todesfälle, 1120 Todesfälle aller Ursachen und 301 Schlaganfälle.   

Nach Adjustierung um kardiovaskuläre Risikofaktoren und sozioökonomischen Status ging jeder Anstieg in der Kategorie des Zahnverlustes mit einem um sechs Prozent erhöhten Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse, einem um 17 Prozent  erhöhten Risiko für kardiovaskulären Tod, einem um 16 Prozent  erhöhten Risiko für Tod aller Ursachen und einem um 14 Prozent erhöhten Schlaganfall-Risiko einher.

Im Vergleich zu den Studienteilnehmern mit allen Zähnen und nach Berücksichtigung von Risikofaktoren sowie sozioökonomischem Status hatte die zahnlose Gruppe ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse, ein um 85 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskulären Tod, ein um 81 Prozent  erhöhtes Risiko für Tod aller Ursachen und ein um 67 Prozent erhöhtes Schlaganfall-Risiko.

„Der Risikoanstieg war graduell, wobei jene ohne Zähne das höchste Risiko hatten“, sagte Vedin. „Herz- und Parodontalerkrankungen haben viele gemeinsame Risikofaktoren – wie Rauchen und Diabetes – aber wir berücksichtigten dies in unserer Analyse und fanden einen anscheinend unabhängigen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen.“

„Viele Patienten in der Studie hatten Zähne verloren – wir sprechen hier nicht über einige wenige”, fuhr Vedin fort. „Rund 16 Prozent der Patienten hatten keine Zähne und bei etwa 40 Prozent fehlte die Hälfte.“

Während des Studienzeitraums erlitten 746 Patienten einen Herzinfarkt. Es zeigte sich ein um sieben Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko für jeden Anstieg beim Zahnverlust, was jedoch nach Adjustierung um Risikofaktoren und sozioökonomischen Status nicht signifikant war. „Wir fanden keinen Zusammenhang zwischen der Zahl der Zähne und dem Herzinfarktrisiko. Dies war rätselhaft, da wir robuste Zusammenhänge mit anderen kardiovaskulären Outcomes inklusive Schlaganfall sahen.“

Es wird vermutet, dass die Entzündung durch Parodontalerkrankungen den atherosklerotischen Prozess triggert und die in der Studie beobachteten Zusammenhänge erklären könnte.

„Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können wir nicht daraus ableiten, dass Parodontalerkrankungen direkt nachteilige Ereignisse bei Herzpatienten verursachen”, so Vedin. „Aber Zahnverlust könnte ein einfacher und preiswerter Weg sein, um Patienten zu identifizieren, die intensivere Präventionsmaßnahmen benötigen. Wir können zwar Patienten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht raten, ihre Zähne in Schuss zu halten, um ihr kardiovaskuläres Risiko zu senken, aber die positiven Effekte des Gebrauchs von Zahnbürste und -seide sind wohlbekannt. Das Potenzial für zusätzliche positive Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit wäre ein Bonus.“

Den Originalbericht finden Sie hier.

Quelle: European Society of Cardiology, 16.09.2015;



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