Wann haften Sie für Schäden in der Praxis?

 

KÖLN (BIERMANN) - Kleine Missgeschicke können im Praxisalltag jedem passieren. Sollte dabei allerdings ein Schaden für die Praxis entstehen, können die verantwortlichen Mitarbeiter vom Arbeitgeber zur Kasse gebeten werden. Ob und in welcher Höhe Sie einen Schaden ersetzen müssen, hängt davon ab, ob und in welchem Ausmaß Sie fahrlässig bzw. vorsätzlich gehandelt haben.

1. Keine Haftung bei leichter Fahrlässigkeit
Von leichtem Fehlverhalten spricht man, wenn der Schaden „jedem hätte passieren können“. Beispiele hierfür sind versehentliches Verschütten von Getränken auf die Computertastatur oder das Zerbrechen von Geschirr im Pausenraum. Bei solchen „Versehen“ haftet der verantwortliche Mitarbeiter nicht.

2. Teilhaftung bei normaler (= mittlerer) Fahrlässigkeit
Normal fahrlässig handelt, wer bei seiner Arbeit durch mangelhafte Sorgfaltspflicht einen Schaden verursacht, dieser durch sorgfältiges Arbeiten also hätte vermieden werden können. In diesem Fall kommt eine anteilige Haftung in Betracht und die entstandenen Kosten werden zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber aufgeteilt.

Dabei kommen jedoch verschiedene Faktoren zum Tragen: die Höhe des Schadens und Ihres Gehalts, der Verantwortungsgrad Ihrer Position und Ihr bisheriges Verhalten im Arbeitsalltag. Überdies ist zu klären, ob Ihr Arbeitgeber das Schadensrisiko beispielsweise durch eine Betriebshaftpflichtversicherung hätte abdecken können. Auch wenn Ihr Arbeitgeber dies versäumt hat, haften Sie trotzdem bis zur Höhe der Selbstbeteiligung, die bei Abschluss einer Versicherung angefallen wäre. Voraussetzung: Diese Summe ist für Sie zumutbar.

3. Volle Haftung bei grober Fahrlässigkeit
Eine grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn Sie Ihre Sorgfaltspflicht in hohem Maß verletzen, also präventive Vorsichtsmaßnahmen ignorieren. In diesem Fall müssen Sie den entstandenen Schaden selbst tragen. Die Rechtsprechung sieht hier Höchstgrenzen von drei bis vier Monatsgehältern vor. Je nach Sachlage springt oft erst eine Betriebshaftpflichtversicherung der Firma ein, bevor Sie als Mitarbeiterin in Haftung genommen werden. Die Beweislast für Ihr Fehlverhalten liegt nach § 619 BGB beim Arbeitgeber.

Achtung bei Personenschäden: Verletzen Sie bei Ihrer Arbeit einen Patienten, kann er Sie zusammen mit Ihrem Chef als Gesamtschuldner haftbar machen. Denn der Praxisinhaber haftet grundsätzlich für Schäden, die der Verrichtungsgehilfe – also Sie – bei der Verrichtung seiner Arbeit verursacht und muss sich das Verschulden seines Erfüllungsgehilfen zurechnen lassen.

Damit kann der geschädigte Patient den ihm zustehenden Anspruch sowohl gegen Sie als auch den Praxisinhaber in vollem Umfang geltend machen. Er kann auch jeweils von Ihnen beiden einen Teil der Gesamtforderung verlangen, bis die gesamte Leistung bewirkt ist. Zwischen Ihnen als Gesamtschuldnern bestehen dann möglicherweise Ausgleichsansprüche. Hierbei kommen die Grundsätze der schadens- bzw. gefahrgeneigten Arbeit zur Anwendung.

Quellen: Sekada Daily; Zahnarztrecht: Praxishandbuch für Zahnmediziner. Von Hans P. Ries, Karl-Heinz Schnieder, Jürgen Althaus, Ralf Großbölting, Martin Voß; S. 193

M+W Info

Mehr Informationen zum Thema Haftung des Arbeitsnehmers finden Sie unter www.hensche.de

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