Werden Sie Mundgeruchsexpertin!


Viele Patienten werden es Ihnen danken

KÖLN (BIERMANN) – Frischer Atem, strahlend weiße Zähne, glückliche Menschen – soweit die Werbung. Doch die Realität sieht ganz anders aus: „Jeder fünfte Mensch in Deutschland leidet zeitweise oder dauerhaft unter Mundgeruch", erklärt Prof. Benjamin Ehmke, Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Viele Patienten pilgern sozusagen von Pontius nach Pilatus, um ihren Mundgeruch loszuwerden, suchen einen Arzt nach dem anderen auf. Doch das ist meist gar nicht nötig, da Experten heute davon ausgehen, dass Mundgeruch zu 90 Prozent seine Ursache im Mund hat. Und doch wird dieses Thema in der Zahnarzt-Ausbildung sträflich vernachlässigt.

Als zahnmedizinische Fachangestellte können Sie sich auf diesem Gebiet schlau machen und betroffene Patienten zu Basics der Mundhygiene wie Zahnzwischenraum- und Zungenreinigung, regelmäßiger PZR sowie speziellen Zahnpflegeprodukten beraten. Die Diagnosestellung sollte allerdings durch Ihren Chef erfolgen, da sich hinter Mundgeruch in seltenen Fällen auch schwere Erkrankungen verbergen können.

Doch meist entsteht Mundgeruch weniger dramatisch: „Hauptursache sind bakterielle Beläge auf der Zunge, dem Zahnfleisch, in den Zahnzwischenräumen und den Zahnfleischtaschen", unterstreicht Ehmke. „Die Bakterien in der Mundhöhle bauen Eiweiße ab. Dadurch entstehen Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff, Methylmercaptan und Dimethylsulfid, die einen sehr unangenehmen Mundgeruch verursachen."

Zudem gibt es weitere Ursachen wie Infektionen, verbrauchter oder fehlerhafter Zahnersatz, Karies oder auch falsche Mundhygiene. Auch Erkrankungen, etwa Diabetes oder Mandelentzündungen, können Auslöser für Mundgeruch sein.

Mittlerweile gehen einzelne spezialisierte Kliniken und Praxen dazu über, Mundgeruchssprechstunden anzubieten, neben der Berliner Charité beispielsweise neuerdings das UKM.

„Viele Mundgeruchpatienten haben auf der Suche nach den Ursachen schon viele Stationen hinter sich. Da der Mundgeruch meist im Mund entsteht, ist es sinnvoll, mit der Diagnostik beim Zahnarzt zu beginnen. Mit einem speziellen Gerät, dem Halimeter, können wir die Schwefelverbindungen in der Atemluft direkt und objektiv messen", erläutert Dr. Inga Harks, Oberärztin in der UKM-Parodontologie, ein spezielles Angebot der Mundgeruchssprechstunde.

„Dadurch ist für den Patienten ersichtlich, wie viele flüchtige Schwefelverbindungen sein Atem enthält. So wird Mundgeruch messbar und ein objektiver Vergleich von einzelnen Sitzungen, beispielsweise vor und nach der Behandlung, ist möglich", ergänzt Zahnärztin Dr. Anna Maria Kettner.

Die Therapie der Halitosis richtet sich nach der Ursache. „Im Rahmen der Behandlung werden die Zähne und die Zunge gereinigt", erklärt Ehmke. „Zudem erlernt der Patient die für ihn beste Methode der Zahn- und Zungenpflege. Ist das Zahnfleisch entzündungsfrei und sind die Probleme der Zunge beseitigt, wird der Mundgeruch deutlich geringer. Durch die erfolgreiche Behandlung der Ursache kann Mundgeruch auch ganz beseitigt werden. Man muss also nicht permanent Lutschpastillen oder Kaugummis bei sich haben. Solche Mittel können zwar den Geruch überdecken, die Ursache dauerhaft beseitigen kann man mit ihnen aber nicht."

Was aber, wenn die Schwefelverbindungen nicht die Ursache für den unangenehmen Atemduft sind? Ehmke: „In solchen Fällen bleibt immer noch der Geruchssinn als Hilfsmittel. Und bei einer Untersuchung des Mundes können in der Regel auch schnell Hinweise auf die Ursache gefunden werden."

Und noch etwas ist ihm aufgefallen: „Frauen kommen häufiger in unsere Sprechstunde, weil sie selbst glauben, Mundgeruch zu haben. Männer kommen dagegen eher, weil es ihnen jemand anderes gesagt hat." Eine Kostenübernahme ist im Vorfeld individuell abzustimmen.

Wie betroffene Patienten befragt werden sollten und was die Antworten Ihnen verraten, ist hier ausführlich geschildert (Teil 1 und 2).

Quelle: UKM 26.01.2011; ZMK aktuell

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