3D-Drucktechniken groß im Kommen

Mit dem FabBus der FH Aachen sind Schulungen vor Ort möglich

AACHEN (Biermann) – Immer mehr Dentallabore setzen digitale Zahntechnik ein. Künftig könnte die Eingliederung von 3D-Drucktechnologie in die Geschäftsstrategie die Bauteilfertigung bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität und Präzision noch beschleunigen.

Auch der Mittelstand erkennt zunehmend das enorme Potential von 3D-Druck-Verfahren. Kosten und Know-how sind allerdings noch große Hürden bei der Einführung. In Aachen haben sich Forschung und Industrie zusammengetan, um maßgeschneiderte Lösungen für alle Anwender anzubieten.

Dass 3D-Drucktechniken groß im Kommen sind, lässt sich an der Messebranche ablesen: Junge Messen wie die RapidTech oder die formnext wachsen sehr schnell, während große Veranstaltungen wie drupa oder EMO das Thema zur Expansion und Weiterentwicklung nutzen. Insider sprächen inzwischen davon, dass die Technologie erwachsen geworden ist, heißt es in einer Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT, Aachen.

Dort wurde schon Ende der 1990er-Jahre das additive Verfahren zur Generierung metallischer Bauteile ohne Zusatzwerkstoffe zur Serienreife geführt. 2002 wurden beispielsweise metallische Implantate mittels Selective Laser Melting (SLM) gefertigt. Der kommerzielle Einsatz des SLM Verfahrens zur Herstellung von metallischem Zahnersatz folgte bereits ein Jahr später.

Die Partnerschaften mit Unternehmen aus dem Flugzeug-, Automobil- und Werkzeugbau führten zu weiteren wirtschaftlichen Einsätzen in der Produktion. Als vorläufiger Höhepunkt gilt die Eröffnung des Cluster Photonik auf dem RWTH Aachen Campus. Seit April 2016 kommen hier große und kleine Firmen mit Forschern der RWTH und der Fraunhofer-Gesellschaft in unterschiedlichen Kooperationsformen zusammen.

ACAM: Industrie und Forschung proben neue Zusammenarbeit

Von Anfang an dabei im Cluster Photonik ist die ACAM GmbH. ACAM steht für Aachen Center for Additive Manufacturing, Gesellschafter sind acht Institute, An-Institute und Spin Offs, die hier in Aachen an 3D-Druck-Technologien arbeiten.

Mit der ACAM GmbH haben die Forschungspartner eine Plattform geschaffen, um ihre technischen und personellen Ressourcen optimal in die Zusammenarbeit mit Industriepartnern einzubringen. Aktuell sind es 21 Industriepartner, darunter Mittelständler aber auch bekannte Namen wie Linde, Schaeffler, Oerlikon, voestalpine, Mitsubishi, Rolex oder VW.

Als Partner bekommen die Unternehmen Voucher, die sie für Forschungs- und Entwicklungs (FuE)-Projekte oder auch für Weiterbildungsmaßnahmen bei den Forschungspartnern eintauschen können. Bei einer Art Versteigerung werden damit Konsortien unter den Partnern gebildet, bis die Finanzierung einzelner Projekte steht. So konnten die Partner im März 2016, nur wenige Monate nach der ACAM-Gründung, bereits die ersten sieben Projekte starten. ACAM organisiert dabei Maschinen und Personal für die Projekte, deren Nutznießer die Partner aus aller Welt und aus verschiedenen Branchen sind.

Support vom Praktikum bis zur Serienfertigung

Eine weitere Kooperationsmöglichkeit für die Industrie, die den Fokus auf klein- und mittelständische Unternehmen legt, ist das Aachener Zentrum für 3D Druck, eine BMBF-geförderte Forschungsgruppe des Fraunhofer ILT und der FH Aachen. Die Forscher aus dieser Gruppe haben sich das Ziel gesetzt, Firmen beim Einstieg in 3D-Druck-Verfahren zu helfen.

Dafür bietet das Zentrum ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm und Unterstützung bei der Einführung der Technologie. Mit dem FabBus der FH Aachen, einem umgebauten Doppelstockbus mit acht Schulungsplätzen und zwölf 3D-Druckern an Bord, können sie direkt beim Kunden Schulungen anbieten. Auch Schüler oder Azubis können so die Technik ausprobieren.

Mit verschiedenen Partnern organisiert das Aachener Zentrum für 3D Druck inzwischen zwei komplette Berufsausbildungen und Studiengänge an verschiedenen Partneruniversitäten. Grundlegend ist hier auch die Vermittlung von Praktika bei den verschiedenen Partnern.

Möglich wird das Ganze durch eine ständig wachsende technische Infrastruktur an der FH Aachen und dem Fraunhofer ILT. Interessierte Mittelständler können hier nicht nur einen kleinen 3D-Drucker für unter 10.000 Euro nutzen, sondern zum Beispiel auch eine neue XLINE 2000R von Concept Laser. Diese ist mit 800 x 400 x 500 mm³ Arbeitsraum derzeit die größte kommerziell verfügbare Anlage zur Herstellung metallischer Bauteile. Die komplette technische Basis für die additive Verarbeitung von Polymeren, Metallen oder weiteren Werkstoffen steht Industriepartnern für Aufträge und Entwicklungsprojekte zur Verfügung.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, 29.08.2016



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