Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen erstellt

Führungskräfte qualifizieren, Unternehmenskultur entwickeln

KÖLN (Biermann) – Wo Menschen zusammenarbeiten und Kunden zufriedengestellt werden müssen, geht es nicht ohne Konflikte. Doch wie ist es um die Streitkultur bestellt? Der erste „Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen in Deutschland“ zeigt jetzt, dass Führungskräfte die Streitkultur in ihren Unternehmen grundsätzlich positiv einschätzen. Handlungsbedarf besteht unter anderem in der Qualifizierung der Führungskräfte sowie der Entwicklung der Unternehmenskultur.

Erstellt wurde der Index von der Forschungsstelle für Wirtschaftsmediation der TH Köln in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement (IWM) und der Frankfurter Wirtschaftskanzlei aclanz Rechtsanwälte.

Zwischen Februar und Juli 2015 nahmen rund 300 Führungskräfte teil. 45,6 Prozent kamen von kleinen und mittleren Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitern, 10,5 Prozent von Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und 43,9 Prozent von Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern.

Die Befragung zeigt, dass Konflikte in den Unternehmen zu über 70 Prozent durch die Führungskräfte und zu 60 Prozent von den unmittelbar Betroffenen gelöst werden. Der Hinzuziehung interner Fachleute der Personal- und Rechtsabteilung sowie von Betriebsräten bedarf es jeweils nur in knapp 25 Prozent der Konfliktfälle. Externe Fachleute, wie Rechtsanwälte, Mediatoren oder Coaches, werden in nur 16 Prozent der Konflikte hinzugezogen.

„Mit dieser Art der Konfliktlösung sind die Führungskräfte relativ zufrieden. So charakterisieren jeweils rund 40 Prozent die Streitkultur in ihrem Unternehmen als konstruktiv, wertschätzend und respektvoll, entscheidungsorientiert sowie offen und transparent“, sagt Prof. Ricarda Rolf, Leiterin der Kölner Forschungsstelle für Wirtschaftsmediation. Die am häufigsten genannten negativen Aspekte der Streitkultur waren das Verdrängen von Konflikten (28 %) und die „Lösung“ per Machtwort (24%).

„Die Führungskräfte, die nach eigenen Angaben die meisten Streitfälle lösen, sehen in ihrem Bereich auch den größten Fort- und Weiterbildungsbedarf, und zwar 78 Prozent beim Konfliktmanagement für Führungskräfte und 63 Prozent beim Kommunikationstraining für Führungskräfte“, so Rolf.

Der Umgang mit schwierigen Verhandlungspartnern und -situationen (49%) und Grundlagen in der Verhandlungstechnik (38%) werden mit deutlichem Abstand genannt. Dieses ambivalente Ergebnis korrespondiert mit einem Mangel an speziellen Angeboten zur Fort- und Weiterbildung für die mit der Konfliktbearbeitung betrauten Personen, die von lediglich gut der Hälfte der Unternehmen angeboten werden.

„Auch bei Organisationsveränderungen und Umstrukturierungen sehen die Führungskräfte grundlegenden Professionalisierungsbedarf“, betont Bernd Hoffmann, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement (IWM). So berücksichtigen nur 37 Prozent der Unternehmen bei diesen Prozessen Konfliktbearbeitung präventiv. 58 Prozent der Befragten sehen hier die Notwendigkeit einer Veränderung in ihrem Unternehmen. In der Unternehmenskultur (57%) sowie in Leitbild und Führungsgrundsätzen (56%) sehen ebenfalls mehr als die Hälfte Professionalisierungsbedarf.

„Kritisch zu beurteilen ist auch, dass in den meisten Unternehmen die mit der Konfliktbehandlung beauftragten Personen und Institutionen in über 80 Prozent der Fälle rein anlassbezogen und akut handeln. In institutionalisierter Form findet dies nur in einem Drittel der Betriebe statt. 20 Prozent arbeiten sogar völlig unabhängig voneinander und ohne jegliche Abstimmung untereinander“, so Rolf. „Positiv ist jedoch, dass rund ein Drittel der Unternehmen zur Konfliktbearbeitung bereits externe Mediatoren beauftragt haben und 82,5 Prozent die Arbeit der Mediatoren mit gut bis sehr gut bewerten“.

Quelle: Technische Hochschule Köln, 08.03.2016



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