Biokompatibler Zahnersatz unter den Vorgaben einer Regelversorgung


Zahl der Patienten mit Unverträglichkeit gegenüber Zahnersatz steigt

KÖLN (Biermann) – Materialien, die für die Herstellung von Zahnersatz verwendet werden, können Allergien auslösen. Auf diesen oft wenig beachteten Zusammenhang wies kürzlich das Kuratorium perfekter Zahnersatz (KpZ) hin. Auch nehme das Risiko mit der Anzahl verwendeter Materialien zu.

Die moderne Zahnmedizin und -technik bieten heute viele verschiedene Optionen – von Klebern, Zementen und Abformmaterialien über Kunststoffe und Keramiken hin zu Amalgam, Gold, Titan und Legierungen. „Es kommt vor, dass ein Patient bis zu zwanzig verschiedene Materialien im Mund hat. Dadurch erhöht sich das Risiko einer allergischen Reaktion“, warnt jedoch Prof. Jürgen Geis-Gerstorfer, Leiter der Sektion Medizinische Werkstoffkunde und Technologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen.

Auch auf der 42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e.V. gab es ein Kurzreferat zu diesem Thema: Prof. Dr. Wilhem Niedermeier vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde – Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik Köln, ging auf die „Regelversorgung im Spiegel der Biokompatibilität“ ein. Wie Niedermeier in seinem Referat betont, kommt der Auswahl von Materialien in der Prothetik und Zahntechnik angesichts der steigenden Zahl von Patienten mit Unverträglichkeiten eine bedeutende Rolle zu.

In den 80er-Jahren sei eine neue Generation edelmetallreduzierter Verbindungen auf den Markt gekommen, die eigentlich erst im Patientenmund erprobt worden seien. Die Folge sei ein deutlicher Anstieg von Unverträglichkeitsreaktionen gewesen. Niedermeier unterstreicht die Bedeutung der elektrochemischen Vorgänge, zu denen es vor allem bei der Vergesellschaftung mit anderen Legierungen kommt. Die Metallionen, die der Legierung mit elektronegativem Charakter durch korrosive Prozesse entzogen würden, seien als Halballergene im Speichel und in anderen Körperflüssigkeiten nachweisbar und könnten im ganzen Körper allergische Reaktionen hervorrufen.

Unter anderem kritisiert der Experte, dass zum Beispiel Zahnersatz mit galvanisch hergestellten Außenteleskopen hohe Korrosionspotenziale zeige, wenn die Feingoldteleskope mit anderen Verbindungen kombiniert werden. Für eine leitende Verbindung reiche schon ein (durch mechanische Deformation des Zahnersatzes auftretender und damit unvermeidbarer) Mikrospalt zwischen Außenteleskopen und Meso- bzw. Suprakonstruktion aus.

Wie Niedermeier weiter ausführt, hätten Befragungen von Zahntechniklabors ergeben, dass ein „Materialmix“ von zwei bis vier Legierungen pro Zahnersatzstück die Regel sein. Kommen diese zu bereits vorhandenen Legierungen in der Mundhöhle hinzu, werde der „orale Galvanismus“ exzessiv.

Die Zukunft einer fortschrittlichen und „bioverträglichen“ Zahnheilkunde gehört laut Niedermeier dem vermehrten Einsatz von Keramiken. Für die Konstruktion metallisch armierter Zahnersatzstücke solle pro Patient möglichst nur eine, universell einsatzbare Legierung zum Einsatz kommen. Als metallischen Normwerkstoff sieht er Nichtedelmetall-Legierungen an, hochgoldhaltige Verbindungen kämen bei ähnlichen physikalischen Eigenschaften, aber etwas geringerer Dauerstabilität, an zweiter Stelle.

Das Kurzreferat von Prof. Niedermeier, das hier nur in Auszügen geschildert werden kann, ist unter http://www.ag-dentale-technologie.de/Kurzreferate_2013.html , S 96-101, nachzulesen.

Quellen: Kuratorium perfekter Zahnersatz, 25.06.2013; Kurzreferate-Band zur 42. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e.V.



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